Zweite Stufe: die Firmenqualifikation

Aktualisiert: Jan 21




Welcome back!


Nachdem ich letztes Mal meinen damaligen Bericht zur Berufsgrunduntersuchung ausfindig gemacht habe und dieser mit einem vorhersehbaren Cliffhanger endete, habe ich heute natürlich die Auflösung und das weitere Vorgehen für euch.

Am 30. Juli, also 6 Tage nach meiner BU kam schon die Post mit einem positiven Ergebnis.

In dem Einladungsschreiben zu meiner Firmenqualifikation am 28./29.10. stand als kleine Notiz am Rande noch ein besonderes Augenmerk auf das technische Verständnis, was also vielleicht im Interview vom Auswahlkapitän abgefragt werden könnte.


Meine Lernutensilien für die Firmenqualifikation:


Technisches Verständnis (sehr hilfreich) https://amzn.to/2sWH11L


www.pilotenboard.de (wichtig für die aktuellsten Gesprächsthemen der Streit- und Gruppengespräche)


Skytest (sehr wichtig für den https://www.skytest.com/bAXbB.html

Brückenbeladetest (DCT))


Microsoft Flightsimulator (super zum Üben) https://amzn.to/2FElz4F


Also wieder ran an das Vorbereiten!


Für die Streit- und Gruppengespräche an Tag 1 ist es sehr hilfreich das ganze öfters mental durchzuspielen. Am Besten sich eine Argumentation, Kompromisse oder sogar Lösungen überlegen und vielleicht auch aufschreiben.

Der Brückenbeladetest lässt sich auch gut üben und wenn man Glück hat, findet man noch einen Partner zum Üben, was natürlich super ist.

Der Flugsimulator ist, falls man vorher noch nichts mit Fliegen oder Simulation am Hut hatte ein absolutes Muss, um einfach mal mit der Materie vertraut zu werden.

Zum Interview habe ich mir die typischen Fragen herausgesucht zur Motivation, den Stärken und Schwächen oder aber auch mich sehr belesen über die Flugzeugmodelle und dem Poster im Interviewraum. Danke an das Pilotenboard hierfür.


Dann lasst uns mal zur Prüfung springen:

DLR, Sportallee 54a, 8:00 Uhr, 5.Stock im Warteraum vor Raum P24 Mitnehmen musst du: - Kopie deines Abiturzeugnisses (Abschlusszeugnis, nicht beglaubigt) - einen aktuellen Lebenslauf - Personalausweis oder Reisepass


Anwesend sind 7 männliche und 3 weibliche (inklusive mir) Kandidaten. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten sich vorzubereiten. Je ein männlicher und ein weiblicher Teilnehmer hatten sich noch per Seminar vorbereitet. Alle waren Business oder Business Casual gekleidet, außer eine Person, die dadurch schon auffiel.


Tag 1:


Nach der Begrüßung ging es in das Gruppengespräch (zwei an der Zahl für je 5 Teilnehmer): Mein Thema kannte ich schon aus dem Pilotenboard. Wir repräsentierten ein Reisebüro, das ein Prospekt füllen sollte mit verschiedenen Reisen. Jeder zog also ein Reiseland und musste dieses den anderen präsentieren und es heißt immer einen möglichst guten Platz im Heft einnehmen. Ich hatte China und mir war von vornherein klar, dass mein Reiseland auf dem letzten Platz landen würde, da es nicht das Interessanteste war. Ganz vorne landete schließlich auch die USA. Ich kann nur sagen wie es bei mir war und daraus kann ich keine Entschlüsse der Psychologen interpretieren (4 Stück inkl. Auswahlkapitän im Raum in den Ecken sitzend, dementsprechend wir an einem Tisch in der Runde). Zu meinem Typ: Ich bin ein stiller Typ in einer Gruppe, da ich mich nur zu Wort melde, wenn ich wirklich etwas weiß und nicht nur mit Halbwissen daherrede. Ich habe versucht die Zeit zu managen und das immer wieder eingeworfen und habe im Allgemeinen auch gleich zu verstehen gegeben, dass ich damit einverstanden bin, mein Reiseland auf die letzte Seite zu setzen, da ich die Vorteile der anderen Länder erkenne und lieber zu einem geordneten Abschluss kommen möchte, als mich in unendlichen Diskussionen zu verrennen. Schließlich hatten wir auch am Ende einen Kompromiss und jeder war zufrieden.




Je nachdem wie man eingeteilt wurde, kam es nun zum Brückenbeladetest oder Streitgespräch.


Der Brückenbeladetest wurde mit einem Mitstreiter aus der Runde bestritten. Man saß nebeneinander etwas entfernt jeweils an seinem eigenen Bildschirm. Dann durfte man zuerst allein seine Brücken beladen, was sehr gut lief, da ich auch gut vorbereitet war. Aber in der Partnerarbeit hatte ich das Gefühl es war das pure Chaos. Ein Psychologe beobachtete uns bei allem von hinten. Man hatte nur Sprechkontakt zum Partner und jeder hatte quasi seine eigenen Bausteingrößen, die für ein passendes Resultat gegenseitig zugeschoben werden mussten. Es klappte aber nicht so wie gewollt und daran ist wohl auch mein Partner am ersten Tag gescheitert. Er rastete aus, haute mit Fäusten auf den Tisch und genau das darf nicht passieren. Auch wenn es schief läuft, ansprechen, aber niemals ausrasten oder auch aufgeben! Wer weiß was der Psychologe daraus interpretiert.



Nach dem tollen Test ging es für mich in das Streitgespräch. Mir gegenüber saß eine Psychologin am Tisch und in den Ecken nochmals zwei Weitere. Mein Thema war mir zum Glück wieder bekannt und ich wusste schon wie ich argumentieren konnte. Im Zwei-Augen Gespräch bin ich auch deutlich besser und gesprächiger. Also zum Thema: Es stand in einer WG ein Umzug bevor, da die Räumlichkeiten renoviert wurden. Wir sind quasi fünf WG-Mitglieder, aber in der provisorischen Wohnung haben nur Vier Platz. Ich als einer der Vier wurde also auserkoren, um es der fünften Person (der Psychologin) beizubringen. Erstmal sachlich die Lage geschildert, fiel die Entscheidung auf sie, da Sie die Letzt Hinzugezogene war. Ich habe noch irgendwas erzählt, dass sie ja auch Verwandtschaft hat und da vielleicht unterkommen kann, genauso habe ich ihr angeboten, um ihr entgegen zu kommen, dass sie auch mit mir ein Zimmer für die erste Zeit beziehen kann und so weiter. Seid auf der Hut, es gibt dann immer wieder solch Sätze wie: Ich habe kein Geld dafür oder meine Mutter ist sehr krank. Ich denke, man muss einfach eine gute Lösung finden, bei der man der anderen Person auch etwas entgegen kommt.


Das war schon Tag Eins. Jeder wurde nacheinander wieder in das Zimmer des Geschehens eingeladen und dort wurde entweder ein Zeitpunkt für den Simulator am nächsten Tag oder auch eine komplette Absage erteilt.


Ich wurde zum Simulator eingeladen und dazu auch eine schöne Uhrzeit: 10 Uhr. Mit mir waren die zwei weiblichen Mitstreiter und drei der Männlichen weitergekommen. Mein Brückenbeladetest Partner musste leider oder auch schon wissend gehen.


Tag Zwei:


Schön ausgeschlafen ging es also in den zweiten Tag. Dort angekommen waren schon ein paar Simulatorsessions am Laufen bzw. schon abgeschlossen. Ein männlicher Kollege musste danach leider schon heimgehen. Ein Anderer war schon im Interview und dann kam auch schon meine Zeit im Simulator. (Bitte stellt euch da nichts Großes vor, der Simulator ist schon sehr abgespeckt). Kompass, künstlicher Horizont und Uhr sind deine Freunde. Es geht quasi darum eine Linie mit Kurven und Steig- und Sinkflügen in gewissen Zeitangaben abzufliegen. Also zum Beispiel Zeit stoppen eine Kurve von 90° fliegen und dabei 2000ft sinken… so in etwa kann man sich das vorstellen. Ich habe schon auch echt große Fehler gemacht und bin zum Beispiel zu spät gesunken oder habe das sogar ganz vergessen. Da man die ganze Zeit auch hier unter Beobachtung ist und man per Headset mit dem Psychologen verbunden ist, habe ich gleich hier immer auch meine Fehler kommuniziert und sie nicht totgeschwiegen. Ich kann nicht sagen, dass das die Lösung ist und die Fehler die man gemacht hat wieder korrigiert, aber ich kann sagen, dass ich in das Interview durfte und nicht schon nach dem Simulator raus geflogen bin.


Als ich also aus dem Simulator kam, durften wir einem männlichen Kollegen schon gratulieren. Eine weibliche Kollegin musste leider nach dem Simulator gehen, sie sagte noch, sie hatte vorher nicht mit dem Simulator am PC oder sonst wie geübt. Also waren wir nach dem Simulator noch zwei männliche und zwei weibliche Anwärter/innen.



Dann ging es ab ins Interview. Der Raum war wie im Pilotenforum beschrieben. Oben auf dem Schrank standen ein paar Flugzeugmodelle und an der Wand hing das Cockpitposter vom Airbus A300. Vor mir am Tisch saßen zwei Psychologinnen und der Auswahlkapitän. Es begann nochmals mit einer Begrüßung und dem Beglückwünschen es soweit geschafft zu haben. Dann wurde ich einfach mal ein bisschen was zu meiner Herkunft gefragt und ich habe einfach mal erzählt. Dabei hatte eine Psychologin auch etwas Heimatgefühle entdeckt, da sie auch aus dem Schwarzwald kam. Dann ging es los:

Warum möchtest du Pilot werden? - Bisschen was erzählt dazu und dass es ein Bild im Cockpit mit mir als Kind gibt. Wie erwartet wurde ich auch gefragt, ob ich einige Modelle auf dem Schrank oder auch das Cockpit erkenne. Dank dem Forum konnte ich eine Boeing 737 als Modell erkennen (an den „plattgedrückten“ Triebwerken“) und auch das Cockpit abgebildet auf dem Poster. Zu dem Wort „Plattgedrückt“: Das fanden sie überhaupt nicht gut und wollten unbedingt von mir ein besseres Wort dafür hören, was mir zum Glück auch einfiel: OVAL. Die Flieger hätte ich ohne dem Forum vorher nicht erkannt, weil ich mich überhaupt nicht mit den Typen auskannte. Das hat auch meine Gesellschaft gemerkt und gefragt warum ich Pilot werden möchte, aber mich nicht mit den Flugzeugmodellen auskenne. Da habe ich so etwas gesagt wie: Ich fahre auch gern Auto, kenne mich aber mit den Autotypen null aus. Das genügte wohl. Stärken und Schwächen war auch ein Thema. Habe mit den Schwächen begonnen und darunter auch meine direkte Art gezählt, da diese Personen manchmal verletzt. Und diese Schwäche habe ich gleichzeitig in etwas Positives verändert, indem ich gesagt habe, dass ich dafür Probleme direkt anspreche. Weiter ging es mit ein paar technischen Fragen zu Kerosin und warum man kein Benzin benutzt, dass es in hohen Höhen ja auch extrem kalt werden kann und so weiter. Eine Frage war auch warum Eisbären keine Pinguine essen. Ich wusste damals nicht, dass der Eisbär am Nordpol und die Pinguine am Südpol leben. Das hat mich auch etwas verunsichert und ich habe gesagt, dass Pinguine vermutlich schwer zu jagen sind. Ich glaube Sie wollten genau das, mich verunsichern und sehen wie ich reagiere.

Jedenfalls ging ich nach knapp 45 Minuten aus dem Raum.


Kurze Bedenkzeit später kam das Feedback und die Bestätigung, dass ich an der Fliegerschule einen Platz bekomme.


Mit mir geschafft hatten es der eine männliche Bewerber und noch eine weitere Bewerberin.


Ich hoffe ihr konntet etwas aus diesem Erfahrungsbericht ziehen und wünsche euch viel Glück, falls euch die Firmenqualifikation bevorsteht. Seid euch im klaren, dass viel auch mit Glück zusammenhängt. Auch Psychologen sind Menschen und machen Fehler. Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen und vergesst nicht: Wenn es nicht klappt, ist das nicht das Ende, denn es gibt noch soviele Alternativen, sogar Bessere. ;)

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