Das Auswahlverfahren bei der SWISS

Schön, dass dich auch noch andere Auswahlverfahren interessieren.


Zuerst möchte ich erläutern, dass die Lufthansa über die European Flight Academy ursprünglich alle ihre Töchter binden wollte. Das heißt Lufthansa, Austrian, Swiss, Eurowings, und so weiter unter einem Dach.

Der Stand heute ist: Möchtest du dich für die Lufthansa Group bewerben hast du einen Versuch für die Multipilot License Ausbildung in Hamburg beim DLR. Bei einem Durchfallen hier, egal für welche Airline du dich bewirbst (Lufthansa, Austrian oder Eurowings Deutschland), schließen auch die beiden anderen ihre Tore als Ab Inito für dich. Übrig bleiben aber noch die Eurowings Europe im ATPL Programm und aber auch die SWISS, die ihre Ausbildung immer noch unabhängig von den Schwestern tätigt. Dies wird auch so bleiben, da der Staat Schweiz diese Ausbildungsart unterstützt.



Solltest du also darüber nachdenken zur SWISS gehen zu wollen, sei es nach dem Versuch beim DLR oder aber auch schon davor (was nicht zu verdenken ist, denn die Swiss ist in gewissen Bereichen sehr viel attraktiver als die restliche Lufthansa Group), dann solltest du diesen Blogeintrag bis zum Ende lesen.


SWISS sieht ihr Auswahlverfahren als Herausforderung, der man mit sportlichem Ehrgeiz begegnen sollte- jeder, der also teilnehmen sollte, wächst daran. Dabei lernst du dich selbst und deine Stärken und Schwächen kennen. Also ran an die Bewerbung! Die Unterlagen werden geprüft und dann wirst du schon eine Einladung zum Auswahlverfahren bekommen.



Da ich nie das Assessment Center bei der SWISS gemacht habe, habe ich direkt nach dem Bestehen dieses kleine Interview mit Laly alias @flylaly geführt.

Viel Spaß dabei!


- Warum hast du dich bei der SWISS beworben?


"Ich wollte zu einer Airline, die direkt ausbildet und eine Übernahme garantiert. Zudem sollte sie sich in Europa befinden, um einfach Vorort bleiben zu können und am besten noch deutschsprachig sein. Eine gute und solide fliegerische Ausbildung bietet zudem die SWISS und es gibt keinerlei Wartezeiten, wie es derzeit bei der Lufthansa gibt (Ausbildungsstopp)."


- Wie waren deine Schulnoten? Gibt es spezifische Fächer, die einen besonders auf die Auswahlverfahren vorbereiten?


"Bis zur Oberstufe waren sie gar nicht gut, eher sogar schlecht. Die Motivation den Pilotenberuf zu machen war letztendlich der Grund, warum ich in der Oberstufe nochmal Gas gegeben habe und auch ein Einser Abitur geschafft habe, das aber definitiv nicht zwingend nötig ist. Mathe und Physik sind sicherlich wichtig, aber ein solides Grundwissen reicht aus. Zum Beispiel Strahlensatz, Graphen und deren Funktionen erkennen. Falls man noch die Wahl hat sind also Mathe, Englisch und Physik die verwandtesten Fächer für das Assessment. Aber wie gesagt, man muss kein Crack sein, solide Basics reichen."


- Wie hast du dich vorbereitet? Materialien und Intensität? Was würdest du raten?


"Das Skytest Programm hat mich fast überall begleitet: Für Stufe 1, 3 und 4 absolut empfehlenswert!

https://www.skytest.com/vKPYG.html

(Kleine Bücherauswahl gibt es bei mir im Blog: Berufsgrunduntersuchung)


"Für die zweite Stufe in der es um die Gruppentests geht (ähnlich der FQ/GQ bei der Lufthansa), kann man sich nicht richtig darauf vorbereiten. Man sollte authentisch bleiben, gut mit der Gruppe zusammenarbeiten, denn auch im Cockpit später geht es um Teamwork. Seht die Gruppe als Mitstreiter und nicht als Konkurrenten. Das Gruppenziel ist wichtig und nicht eure eigenen Ziele."


"Raten kann ich nur, dass man sich nicht verrückt machen soll. Um einiges leichter ist es natürlich, wenn man schon ein Assessment hinter sich hat und weiß was einen erwartet.

Die meiste Vorbereitung war für Test Eins und Drei. Die CBTs, die man geschickt bekommt auf jeden Fall durchklicken und natürlich an allem zielstrebig ran gehen."


"Ein bis zwei Monate für zwei bis vier Stunden am Tag sollte man sich schon vorbereiten.

Nach dem Test oder auch währenddessen immer weitermachen und nicht entmutigen lassen."


- Was erwartet dich bei den Tests?


1. Leistungstest 1

ist wie bei der Lufthansa die BU und ähnelt diesem stark

2. Persönlichkeitsprüfung

Gruppenspiel, wie bei der FQ/GQ, man löst eine Aufgabe in der Gruppe unter

psychologischer Beobachtung

3. Leistungstest 2

Gubsomat (nach dem Erfinder Hans Gubser) auch Gerätetrainer genannt und ist eine

Art Flugsimulator. Es ist eine Mehrfachbelastungsaufgabe: Man muss verschiedene

Instrumente bedienen und nebenher Aufgaben lösen.

4. Pilot Instrument Trainer

Der Test ist auf zwei Tage aufgeteilt und ähnelt dem Simulator bei der Lufthansa,

aber anspruchsvoller. Man muss Aufgaben abfliegen, dabei Kurse berechnen und

vieles mehr.

5. Flugmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung

siehe Medical Blogeintrag

6. Interview

Das Interview ist sehr persönlich auf einen zugeschnitten und es wird auf deinen

Lebenslauf eingegangen. Wichtig ist immer ehrlich zu sein.

7. Board

Die Auswahlkommission setzt sich einmal im Monat zusammen. Sie schauen den

kompletten Verlauf der Auswahl an, beurteilen die Leistungskurve und entscheiden

über Annehmen oder Ablehnen. Hat man überall nur knapp bestanden, wird man

abgelehnt. Bei Bestehen gibt es zwei Finanzierungsmodelle: die eigen finanzierte

Variante oder bei überall sehr guten Testergebnissen die teilweise Vorfinanzierung.


- Was war das Schwierigste für dich?


"Der Pilot Instrument Trainer! Ich hatte das Gefühl, dass meine Vorbereitung nicht gereicht hat. Aber auch wenn man so fühlt, muss man weitermachen!

Das ganze Selektionsverfahren ist sehr anstrengend, da es so viele Stufen sind. Natürlich kostet es dann auch mehr, da man öfter anreisen muss. Dafür ist es entzerrter und nicht wie bei der Lufthansa alles auf einmal. Man hat ausreichend Zeit zwischen den Stufen, um sich verschieden vorzubereiten."


- Wieviel Zeit verging zwischen den Tests und wann darfst du die Ausbildung beginnen?


"Im Sommer hatte ich angefangen mit den Tests und den letzten hatte ich dann im November. Das Board mit der Zusage war im Dezember.

Generell bietet die SWISS nicht viele Kurse an und da der Kurs im Frühjahr schon voll war, werde ich jetzt im Sommer mit der Ausbildung starten.

Man muss also vom Bescheid ab noch ca. drei bis sechs Monate warten bis es dann letztendlich losgeht."


Solltest du es schaffen, kannst du dich auf einen tollen Job bei einer tollen Airline freuen!

Fragen und Kommentare gern erwünscht!


Erfahre noch mehr bei den SWISS Info-Events

https://www.european-flight-academy.com/swiss/ueber-uns_sw/info-event_sw

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